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Jabber Instant Messaging

Raus aus dem Instant-Messaging- Chaos

Anfang März (2006) kündigte der Online-Dienst AOL an, eine Programmierschnittstelle (SDK) für seine Instant-Messaging-Plattform AIM offen zu legen. Genannt "Open AIM", ist es damit künftig möglich, die AIM-Software zu verändern, um sie beispielsweise in Web-Dienste zu integrieren oder mit neuen Funktionen zu versehen. "Wir glauben, dass es in der Entwicklergemeinschaft viel Kreativität und Interesse daran gibt, neue Anwendungen für unser Netzwerk zu programmieren", betonte AIM-Chefarchitekt Justi Uberti bei der Vorstellung der neuen Schnittstelle. Schließlich könnte der Schritt des Online-Dienstes zu innovativer Software im zwischenzeitlich leicht angestaubten Instant-Messaging-Bereich (IM) führen, der weiterhin ordentlich wächst und allein in den USA mindestens 25 Millionen Nutzer hat.

Allerdings hat der AOL-Vorstoß auch einen Haken: "Open AIM" kommt mit Restriktionen, die zahlreichen Entwicklern sauer aufstoßen könnten. So dürfen die nicht auf Software aufbauen, die mit IM-Produkten der Konkurrenz (etwa Microsofts MSN Messenger oder Yahoos IM-Client) zusammenarbeiten. Zweitens dürfen nur dann Anwendungen für Mobilgeräte entwickelt und "Open AIM"-basierte Produkte an große Firmen vertrieben werden, wenn eine zusätzliche Lizenz von AOL erworben wird.

Kein Wunder also, dass sich viele Entwickler eher für wirklich offene Lösungen interessieren. Diese existieren neben den proprietären Lösungen von AOL, MSN und Yahoo schon seit längerer Zeit und haben bereits allerlei innovative Anwendungen hervorgebracht, wie Peter Saint-Andre sagt. Saint-Andre ist Exekutivdirektor der Jabber Software Foundation, die ein populäres offenes IM-Netzwerk betreibt, das auf Open-Source-Software aufbaut. Was Linux für Microsoft Windows wäre, sei Jabber für AOL, MSN und Yahoo, so der Jabber-Aktivist.

Eine der großen Innovationsbereiche, die von der Open-Source-Gemeinde vorangetrieben werden, ist die Integration von Text- und Sprachchats auf VoIP-Basis, wie David Reed, Professor am MIT Media Lab, sagt. So nutzt etwa das Gizmo Project, dessen interne Technologie auf Open-Source-Komponenten aufbaut, Jabber. Der Skype-Konkurrent kombiniert Audio- sowie Textkommunikation und bietet auch einen Anschluss ans Festnetz.

Im Gegensatz zu Skype, das vollständig proprietär ist, kann das Gizmo Project aber mit anderen IM-Netzen interagieren – mittels Jabber sind Freunde erreichbar, die anderswo chatten, wie Projektgründer Michael Robertson erklärt. So arbeitet die Gizmo Project-Software etwa mit Googles "Talk" zusammen, das ebenfalls Jabber nutzt.

Mit der Gizmo-Project-Software lassen sich außerdem Konferenzen mit bis zu 99 Personen führen, wohingegen Skype nur 5er-Sessions erlaubt. Daneben bietet die Software die Möglichkeiten, Audiochats in ein Weblog zu posten.

Neben Jabber setzt das Gizmo Project auch noch auf eine andere offene Technologie: Den VoIP-Sprachserver SIPphone. Das bedeutet, dass jeder Programmierer Software schreiben darf, die mit der Gizmo-Project-Software Kontakt aufnehmen kann – egal, ob nun per Sprache oder per Text-Chat. Im Gegensatz dazu legen weder AOL noch MSN oder Yahoo ihre genauen Server- und Client-Spezifikationen offen – deshalb kann ein AIM-Benutzer auch nicht mit einem MSN-Messenger-User sprechen. Es gibt zwar Programme wie Meebo oder Trillian, die die geschlossenen Netze durchdringen können und miteinander verbinden. Sie wurden allerdings nicht mit offiziellen Lösungen erstellt, sondern nutzten Bastelansätze. Echte Interoperabilität fehlt.

Neben Sprach- und Textkommunikation werden die Open-Source-IM-Werkzeuge auch in ganz anderen Bereichen verwendet. So nutzt eine britische Firma namens Trakm8 das Jabber-Protokoll und eine GPS-Satelliten-Positionsbestimmung, um auf Handys die Position eines Fahrzeugs zu senden. Mit Trakm8 kann man sich sogar informieren lassen, wenn das eigene Auto zu schnell fährt.

Auch im Bankbereich wird Jabber bereits verwendet – angepasst an die spezifischen Bedürfnisse der Unternehmen. Mitarbeiter haben beispielsweise mehrere Chatfenster geöffnet, über die Finanzinformationen einlaufen. Diese können wiederum sofort in eine Tabellenkalkulation gefüttert werden, über die dann Kaufentscheidungen ausgelöst werden, wie Saint-Andre berichtet.

Gizmo Project-Mann Robertson erhofft sich derweil ein IM-Netz, das VoIP-Gespräche und IM-Botschaften so leicht wie das Versenden von E-Mails macht. Wer heutzutage Microsofts Webmail-Dienst Hotmail verwendet, könne ja auch problemlos Nachrichten an Yahoo Mail- und Google Mail-Nutzer verschicken. Der Grund dafür: Das E-Mail-System stammt aus der Anfangszeit des Internets, in denen Standards sich leichter durchsetzen ließen.

Der IM-Sektor begann hingegen einst sofort proprietär – und so ist es bis heute letztlich geblieben. Robertson hofft, dass das Gizmo Project und ähnliche Ansätze dies ändern können. "Ich will eine Welt, in der wir alle einen IM-Chatnamen haben, der überall funktioniert, ähnliche wie eine E-Mail-Adresse. Heute ist das nicht so – wir leben in einem großen Chaos."

Übersetzung: Ben Schwan.

Quelle: http://www.heise.de/tr/artikel/71343